In Bad Nenndorf blüht uns was. 73 Tage lang noch. Die Landesgartenschau wird bis zum 18. Oktober gezeigt. 24 Euro Eintritt pro Erwachsenem (20 Euro ermäßigt) sind kein Pappenstiel. Da darf man was erwarten. Was gut ist: dass die Balance zwischen naturnaher Gestaltung und saisonaler Blütenkulisse hält und die vorhandene Landschaft rund um den Kurpark nachhaltig integriert wurde. Dass die Beete und Anlagen hier und dort gekünstelt wirken, liegt in der Natur der Sache von Landesgartenschauen, die innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden gestampft werden. Gärten, das zeigt uns die Erfahrung, Gärten müssen langsam wachsen.
Bad Nenndorf. Ein Fläschchen stilles Wasser schlägt mit bis zu 4,50 Euro zu Buche, wir reden von 0,33 Liter. Ein Glas Wein 7 Euro. Familien können auf der LaGa einen schönen Tag erleben, aber der kostet. Es lohnt sich, den Picknickkorb von zu Hause mitzubringen. Viel wichtiger als die Preise ist zahlreichen Besucherinnen und Besuchern freilich die gärtnerische Vielfalt; sie ist prägend. Die Schaugärten wissen zu gefallen. Pflanzkombinationen mit spät blühendem Zierlauch (Allium senescens ’Millenium‘), dunkler Fetthenne (Sedum hybridum ’Immergrünchen‘), Kleinblütiger Bergminze (Calamintha Nepeta ’Triumphator‘), Katzenminze (Nepeta ’Walker‘s Low‘), Rudbeckia-Sonnenhüten und Mädchenauge (Coreopsis) zeigen überdeutlich, dass Hoch- und Spätsommer nach überreichem Frühlings- und Frühsommerflor keineswegs blütenlos bleiben müssen. Nur wer Arten und Sorten mit Augenmaß aufeinander abstimmt, wird bis weit in den Oktober hinein seine Freude an Blütenreichtum haben.
Die Augen für Neues zu öffnen, darin liegt die Stärke der Landesgartenschau, zumindest dieser, denn die Vergangenheit zeigt uns, dass es schon Schauen gab, die eher schaurig waren, was die gärtnerische Qualität betraf. Zu viel Gedöns, zu viel Show, zu wenig Garten; Landpartien und champagnerdurchprickelte Gartensommer-Events dürfen das, Landesgarten schauen nicht. Zurück zum Allium also: Der Zierlauch ist ja eigentlich längst verblüht, nicht so die Sorte ’Millenium‘ aus der Art Allium senescens. Rosa-violette Kugeln von Juli bis September, 30 bis 45 Zentimeter hoch, sonnig stehend ein Top-Bienenmagnet, auch hier in einem der Schaugärten, wo große Sträuße dieser Zwiebelpflanze selbst bei Fachjournalisten und ausgebildeten Gärtnern für Aufsehen sorgen. Aufschreiben. Im eigenen Garten schon mal die Plätze suchen, die infrage kommen. Das wird was.
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Die Fahne des Weserberglandes hält die Garten- und Landschaftsbau GbR Tetje Böger hoch: Das Aerzener Unternehmen ist mit einem eigenen Schaugarten vertreten, in dem es einen Naturpool hervorragend in Szene setzt. Stein und Holz sind dezent, Kies umspült das Bassin, das von ausdrucksstarken wie pflegeleichten Staudenpflanzen umsäumt wird – blau blühender Storchschnabel (Geranium ’Rozanne‘), Zier-Salbei (Salvia nemorosa), Woll-Ziest (Stachysbyzantina) und Eisenkraut (Verbena bonariensis), um nur vier zu nennen. Ein Musterbeispiel für den Wasser integrierenden Garten- und Landschaftsbau, für den übrigens die Stauden-Gärtnerei Junge aus Wehrbergen die Pflanzen lieferte, worunter selbstverständlich auch die hauseigene Selektion, das Ziergras ’Hameln‘ (Pennisetum alopecuroides) gehört. Zwei heimische Betriebe, die der LaGa in Bad Nenndorf einen Stempel aufdrücken, der auch von Besucherinnen und Besuchern aus Wilhelmshaven, Lingen, Berlin und wo sie alle herkommen, wahrgenommen wird. Toll!
Die Sache mit der Nachhaltigkeit ist auf Landesgartenschauen freilich nicht immer ganz erquicklich gelöst. Immerhin: Hier wurden von vornherein bestehende Wald- und Wiesenpartien sowie der Kurpark genutzt; dazwischen verbindende Elemente, für die Neubauten wichtig und notwendig waren. Die breiten Betonwege wirken bisweilen zu massig. Dafür sind sie allerdings auch komplett barrierefrei, auch dort, wo die Brücke durch den verzauberten Sün-telbuchenhain führt. Sie bleibt nach dem letzten Veranstaltungstag ebenso erhalten wie der breite Panoramaweg, der sich entlang des Waldrands bis zur Bubikopfallee zieht und die atemberaubende Aussicht auf Deister und Deister-Sünteltal möglich macht. Überhaupt: Was bleibt? Das ist ja eine nicht unwichtige Frage. Die Antwort: neuer Teich, Liegewiese, Wasserspielplatz, Wiesenpark mit Sport- und Lernmöglichkeiten. Das ist schon nicht übel, wenngleich sich wahre Gärtner den Erhalt gelungener Pflanzungen wünschten inklusive der teils wirklich sehr guten Schaugärten. Das ist aus Kostengründen aber nachvollziehbar unrealistisch. Muss man eben zu Hause auf eigener Scholle wieder selbst kleine Wunder vollbringen. Für Inspiration sorgt die LaGa in Bad Nenndorf allemal.
Die Landesgartenschau in Bad Nenndorf ist noch bis einschließlich Sonntag, 18. Oktober, täglich zwischen 10 und 20 Uhr (ab 1. September bis 19 Uhr) geöffnet.



