Über Leben im Garten

Immense Hitze und Dürreperioden – nicht nur die Pflanzenauswahl ist entscheidend, sondern vor allem die Bedingungen sind es

VON JENS F. MEYER

Bei fast 40 Grad Celsius – und ja: es war kaum zu ertragen – kommen die Weltverbesserer so reichlich ums Eck getönt, wie sich der Löwenzahn aussät. Panikmache hilft aber nicht, wenn es um eine zukunftsfähige Gestaltung des Gartens geht. Ihn in allen Teilen zu einem Steingarten werden zu lassen, um nur noch die nach Kargheit trachtenden Gewächse wie Kaktus und Dickblatt wachsen zu sehen, ist jedenfalls Blödsinn. Die Mischung macht’s. Aber welche?

Mit extrem heißen Temperaturen können mehr Pflanzen umgehen, als man gemeinhin annehmen mag. Hat der Lavendel Schaden genommen? Hat er nicht. Sind Kräuter wie Salbei, Thymian, Ysop bei der Hitze verdurstet? Sind sie nicht. Machen Stauden wie Großer Alant, Sonnenauge oder Hohe Fetthenne einen erschöpften Eindruck? Machen sie nicht. – Was wir heute wissen: dass die Sommer heißer und trockener werden. Es liegt also an jedem Gartenbesitzer selbst, Pflanzengesellschaften zusammenzubringen, die mit diesen veränderten Bedingungen immer noch gut zurechtkommen. Pflanzen aus dem mediterranen Raum sind eine gute Wahl, weil sie weniger dürsten. Das bedeutet aber nicht, auf Rittersporn, Oktober-Silberkerze oder Wasserdost, die zu den Verlierern der neuen Witterungsverhältnisse gehören, ganz zu verzichten; das Hauptaugenmerk nur auf solche Prachtstauden zu legen, wäre sicher aber ein Risiko.

Was in der Diskussion um die „richtige“ Pflanzenauswahl oft vergessen wird: Die Kraft kommt aus der Feuchte und die Feuchte aus dem Boden. Je besser die Erde mit Humus durchmischt ist, je mehr feuchtigkeitsspeichernde Fasern darin enthalten sind und je mehr wir dagegen unternehmen, dass der Boden austrocknet, also trockenen (!) Rasenschnitt oder Kompost als drei bis fünf Zentimeter dicke Mulchschicht aufbringen, umso stärker können Stauden sich gegen Trockenheit stemmen. Mulch hat einen weiteren Vorteil: Wenn gegossen werden muss, hält er die Feuchte länger im Boden, was den Verbrauch des Gießwassers minimiert – und selbst wird er dann auch zu Humus.

Überhaupt: das Wässern! Je weniger himmlisches Nass zur Verfügung steht (Unwetter ändern nichts an dieser Tatsache), desto größer wird die Bedeutung, den Regen aufzufangen. Eine mehrere tausend Liter fassende Zisterne ist wie eine Goldgrube unter der Rasenfläche. Wo das nicht möglich ist, müssen Tonnen her. Jede noch so freie Möglichkeit, jedes Dach, jedes Fallrohr sollte angezapft werden. Die Wasserleitung, die zwar stets zur Verfügung steht, ist die falscheste Quelle, denn die Grundwasserspiegel sinken. Und: Viele Pflanzen mögen das kalkhaltige Wasser sowieso nicht gerne. Es gibt Ausnahmen wie zum Beispiel Engelstrompeten (Brugmansia), die kalkhaltiges Wasser bevorzugen, weil bei zu wenig Kalk die Blätter gilben, aber viele, viele Stauden wollen lieber das „weiche“ Regenwasser.

Die Frage ist auch: Wie groß soll oder kann der Topfgarten noch sein?

Womit ohnehin ein weiterer Faktor, wie wir uns auf trockenere Sommer besser vorbereiten, angesprochen wäre: die des Topfgartens. „Säufer“ wie Engelstrompeten, Pelargonien und viele weitere Pflanzen, die jeden Tag gegossen werden müssen, verschärfen das Problem der Wasserknappheit. Die Frage, ob man sich einen großen Topfgarten noch leisten möchte, sollte entscheidend davon abhängig sein, wie viel Wasser auf natürlichem Wege dafür zur Verfügung steht. Hier einen Schnitt zu machen und womöglich den Gefäßgarten auf ein Mindestmaß zu verkleinern, ist sicher keine einfache Entscheidung. Aber eine logische.

Exklusive Anzeigen aus der Printausgabe

Kräuter jetzt schneiden

Wer Heilkräuter mit all ihren guten Ingredienzen für Herbst und Winter haltbar machen möchte, der muss jetzt zur Schere greifen. Denn im Hochsommer stehen die meisten von ihnen – Zitronen-Melisse, Berg-Bohnenkraut, Minze in all ihrer Sortenvielfalt, Salbei, Thymian und viele mehr – vor der Blüte; und dies ist die beste Zeit, sie zu schneiden, denn jetzt ist der Gehalt der ätherischen Öle am höchsten. Diese Öle sind mitentscheidend für den Geschmack. Sie dienen den Pflanzen gewissermaßen als Schutz vor der Sonne, als „Kühlung“. Weil der Sonnenstand nun am höchsten ist, schützen sie sich damit vor Austrocknung. Geschnittene Kräuter werden entweder in kleinen Sträußchen oder in einzelnen Blättern auf Gittern oder Leinentüchern getrocknet. Sie dienen später für Tees und als Würze für allerlei Speisen.

jlg