VON PETER JAHN
Er fährt wieder wie vor 70 Jahren, allerdings ist die Strecke heute eine ganz andere, sie führt durch die Hessisch Oldendorfer Innenstadt und nicht über die Insel Norderney wie damals. Gemeint ist die frühere Inselbahn, der Dünen-Express.
HESSISCH OLDENDORF / NORDERNEY. Es sind oft Zufälle, die Sammlern wertvolle Dinge bescheren, und es ist ganz große Kunst, diese wieder originalgetreu zu restaurieren. Geschafft haben dieses Kunststück die beiden Hessisch Oldendorfer Christian und Traugott Grundmann.
Als Attraktion hat der Dünen-Express in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Badegäste auf der ostfriesischen Insel zu den Stränden und zurück in die Stadt gebracht. Der Express besteht aus einem VW-Käfer (Baujahr 1957) und zwei Anhängern, auf denen die Fahrgäste Platz nehmen können. Eine Attraktion, die später an Anziehungskraft verlor, die Fahrten der Inselbahn wurden eingestellt. Der VW-Käfer diente bis ins Jahr 2004 der Feuerwehr auf dem Flugplatz Norderney zum Transport der Löschmittel.
Und genau hier wird Christian Grundmann auf den Oldtimer aufmerksam. „Vor etwa 20 Jahren habe ich den Käfer gefunden und gekauft“, erzählt er. „Ich habe weitergesucht, aber keinen entsprechenden Anhänger mehr gefunden, also habe ich die Zugmaschine der Inselbahn wieder an einen Interessenten in Hamburg verkauft.“ Dieser hatte den VW-Käfer nach Holland weitergegeben, wo Christian Grundmann das Fahrzeug wiederentdeckte, als er vor zwei Jahren auf einen Anhänger gestoßen war.

Als schließlich Zugmaschine und Anhänger in Hessisch Oldendorf sind, beginnt die Arbeit. Die Bimmelbahn, der Dünen-Express, das neue Juwel in der Grundmannschen Sammlung, soll beim weltweit größten VW-Veteranentreffen im Jahr 2026 wieder in alter Pracht rollen. Allerdings mit nur einem Anhänger. Schritt für Schritt wird die Restaurierung vorgenommen. Auf Karosseriearbeiten folgen die Originallackierung sowie der Einbau des Getriebes eines VW-Busses. In einer Polsterei werden das neue Verdeck und eine neue Rückbank angefertigt.
Der zehn Meter lange Anhänger ist ebenfalls runderneuert. Dieser ist zwar nicht über Norderney gezogen worden, jedoch im gleichen Jahr von derselben Firma gebaut worden, und dies ganz in der Nachbarschaft von Hessisch Oldendorf bei Harmening in Bückeburg. „Ein Glücksfund, denn normalerweise sind die Anhänger meist abgewrackt worden“, sagt Christian Grundmann.
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Das erinnert nun alle Beteiligten an eine Attraktion mit lokalem Bezug des Veteranentreffens von vor vier Jahren, da hatten die Grundmanns den alten Milchwagen von Reinhard Sempf präsentiert, den Christian Grundmann in einer Garage im nordhessischen Eschwege entdeckt hatte.
Also, auch diesmal ist beim Veteranentreffen ein Gefährt dabei, das lokale Wurzeln hat. Die Bückeburger Harmening-Werke sind in den Fünfziger- und Sechzigerjahren bekannt geworden für den Bau von Sonderfahrzeugen. Seitlich am Anhänger des Dünen-Expresses hat sich ein Fabrikschild befunden, wie alte Bilder zeigen. Genau dieses Schild des Fahrzeug- und Karosseriebetriebs aus Bückeburg hat Christian Grundmann originalgetreu nachfertigen lassen, und es schmückt heute den Wagen, den der 30-PS-Käfermotor durch die Weserstadt ziehen wird.
„Ein Glücksfund, denn normalerweise sind Anhänger meist abgewrackt worden“.
Christian Grundmann, Organisator VW-Treffen HO
Noch etwas zur Geschichte des Fahrzeugwerks Harmening in Bückeburg. Hier sind die im Original 19 Meter langen Anhänger, die von einem Käfer gezogen worden sind, für verschiedene Verwendungen hergestellt worden. Sie sind in Badestädten, bei Ausstellungen, auf Industrieanlagen, Flugplätzen, bei Messen und als Werbefahrzeug gefahren worden. Die Aufbauten variieren selbstverständlich.
An das Modell, das auf Norderney zwischen 1957 und 1967 im Einsatz gewesen ist, erinnert sich ein Zugführer noch gut. In einem Bericht in einer älteren Ausgabe der Fachzeitschrift Auto-Bild erzählt Heinz-Wilhelm de Boer, ehemals Schlosser im Fahrzeugpark der Insel Norderney, Anekdoten von der Inselbahn. Statt der eigentlich zugelassenen 42 Personen seien in der Hochsaison auch schon mal 98 mitgefahren. Auch was die Geschwindigkeit anbelangt, hat man es nicht immer so genau genommen. Die empfohlenen 20 Stundenkilometer sind im Betrieb regelmäßig um 15 Stundenkilometer überschritten worden, und in puncto Höchstgeschwindigkeit berichtet de Boer gar von 70 km/h! So schnell wird die Bimmelbahn beim Veteranentreffen selbstverständlich nicht unterwegs sein, wenn sie zwischen Innenstadt und Museum Grundmann an diesem Festwochenende unterwegs sein wird.



