VON JENS F. MEYER
Autos verbinden Menschen. Alte Autos noch viel mehr. Unwillkürlich erinnert man sich an die „guten, alten Zeiten“, in denen selbst technische Glatzen doch imstande waren, das Standgas des Käfer-Motors selber rauf- und runterregeln zu können, sei es mit einem Schraubendreher oder irgendeinem anderen Werkzeug. Autofahren war einfach. Heute soll es einfacher sein, aber wehe, wenn die Elektronik spinnt … Jedenfalls: Wenn jetzt HO26 startet, dann stottert hier kein Motor, sondern dann ist die Welt zu Gast in der Baxmannstadt und feiert automobile Ikonen!
HESSISCH OLDENDORF. Und diese Ikonen sind längst nicht nur Kugelporsches mit Brezelfenster oder ovalem Ausguck nach hinten, nein, zu den klassischen Volkswagen gesellen sich natürlich auch wieder die „Bullis“, Karmanns und – man staune – der SP 2, ein Volkswagen-Sportwagen (na ja, jedenfalls halbwegs) mit 61 PS, von dem nur knapp über 10.000 Exemplare überhaupt gebaut worden waren zwischen den Jahren 1972 und 1976. Reine brasilianische Autofreude war es, die nie so richtig aus dem Schuh kam in Europa. Christian und Traugott Grundmann, die Köpfe des Organisationsteams für HO26, wollen versuchen, „so viele SP 2 wie möglich nach Hessisch Oldendorf zu lotsen, um einen Weltrekord aufzustellen“.
Mit Brezelfenster, als Kabriolet, schlicht gehalten und auch edel aufbereitet.
Beim 9. Internationalen Volkswagen-Veteranentreffen werden Hunderte Käfer aus verschiedenen Jahrzehnten zu sehen sein. Mit Brezel-Fenster. Als Cabrio. Schlicht gehalten oder edel aufbereitet. Allein die Tatsache, dass dieses Event von Menschen besucht wird, die mit ihrem blitzeblank polierten Wägelchen den Weg sogar aus Übersee auf sich nehmen, zeigt, dass der Volkswagen den Sprung vom verlässlichen Automobil zum Klassiker geschafft hat. Welches klassische Fahrzeug vereint den praktischen Nutzen, von Ort A nach Ort B zu gelangen, mit diesem für Liebhaber bedeutsamen ideellen Wert überhaupt noch? Der R4 von Renault und die „Ente“ von Citroën. Aber sonst?
Der Lack ist eben noch lange nicht ab, und ist es nicht erstaunlich, dass er umso mehr glänzt, desto älter diese Fahrzeuge werden? Die „Grundmänner“ aus Hessisch Oldendorf mit ihrem Organisationsteam haben einen Kurs eingeschlagen, der die Nationen ins Weserbergland bringt, der die Vergangenheit erlebbar macht. Viele Menschen knattern mit ihren VW Käfern einher, doch das Veteranentreffen reicht ja noch weiter. Mancher fast schon in Vergessenheit geratene Volkswagen wird dem ohnehin hübsch-historischen Stadtbild Hessisch Oldendorfs an diesem Wochenende ein Antlitz verleihen, das die Besucherinnen und Besucher bis weit in die Wirtschaftswunderjahre zurückversetzt. Ein 1967er VW Bus T1 findet sich darunter ebenso wie ein Karmann Ghia Kabriolet von 1950, ein VW Bus T1 Westfalia SO34 Flipseat aus dem Jahr 1963 oder ein VW Export Saloon 11C (1951). Und: Der Dünen-Express, ein echtes Juwel in der automobilen Historie. Glänzt wieder wie einst als „Inselbahn“ auf Norderney.
Aus Belgien kommt ein ganzer Konvoi auf Hessisch Oldendorf zugefahren.
So frisch-fröhlich, wie sich die über 900 Autos zählende Liste liest, zeigt sich auch das Verzeichnis der Teilnehmer und Herkunftsländer. Aus Belgien kommt ein ganzer Konvoi herangeknattert, aus England sind viele mit von der Partie, aus Indonesien und Brasilien auch. Die Welt ist zu Gast in Hessisch Oldendorf. Heißen wir sie herzlich willkommen!


