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Pflegestation Wohnzimmer

Die Grenzen der Belastbarkeit

veröffentlicht am 14.12.2020 um 01:05 Uhr

Fast zwei Millionen Menschen in Deutschland pflegen Angehörige zuhause. Mit welchen Schwierigkeiten sind sie konfrontiert? Wie erleben sie diese oft bis an die Grenzen belastende Situation?

Das SWR-Fernsehen thematisierte dies jüngst im Beitrag „Pflegestation Wohnzimmer – wenn der Partner krank wird“. Er ist auch in der ARD-Mediathek und über den SWR Doku-Channel auf Youtube abrufbar. Der Fall: Judit Andrade pflegt seit vielen Jahren ihren schwerkranken Mann Manuel zuhause in ihrem Wohnzimmer. Er leidet an ALS, einer Nervenkrankheit, für die es keine Heilung gibt und die unweigerlich zum Tod führt. Niemals würde Judit ihren Mann in ein Pflegeheim geben. Das hat sie ihm versprochen, als die Krankheit ausbrach. Inzwischen kann Manuel sich überhaupt nicht mehr bewegen, wird künstlich beatmet und ernährt: eine Intensivstation im Wohnzimmer.
      

Fast zwei Millionen Menschen in Deutschland pflegen ihre Angehörigen zuhause Auch Roswitha Haug-Henseler pflegt ihren Mann Kurt daheim, er ist ganz auf die Hilfe seiner Frau angewiesen, sie hat dafür ihren Beruf als Heilpraktikerin aufgegeben. Ihr geht es dabei wie fast zwei Millionen Menschen in Deutschland, die auch ihre Angehörigen zuhause pflegen. Allein, mit viel Liebe und oft bis zur Erschöpfung. Welche Schwierigkeiten, welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen erleben sie bei der Pflege ihrer Partner?
    

Dicke Luft in der Branche

Pflegekammer kritisiert Zwölf-Stunden-Tage heftig

Seit 1. November hebelt das Land Niedersachsen in einer Allgemeinverfügung die geltenden Höchstarbeitszeiten unter anderem für Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen befristet bis zum 31. Mai 2021 aus. Ab sofort sind bis zu zwölf Stunden tägliche Arbeitszeit zulässig. Die Pflegekammer Niedersachsen kritisiert, dass Vertreter der Pflege nicht im Vorfeld einbezogen worden sind.

„Monatelang hat das Land verschlafen, die medizinischen Einrichtungen auf die zweite Welle der Corona-Pandemie vorzubereiten. Jetzt sollen wieder die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit die Situation retten“, kritisiert Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen. Die Verfügung enthält weder Regelungen zu Ausgleichstunden noch zu einer finanziellen Entschädigung für die Mehrarbeit. Lediglich ein Ersatzruhetag innerhalb eines Zeitraumes von acht Wochen ist für die im Rahmen der Ausnahmebewilligung geleistete Sonn- und Feiertagsarbeit zu gewähren. „Dürfen jetzt auch Teilzeitbeschäftigte zu täglich zwölf Stunden Dienst verpflichtet werden? Wir hätten uns gewünscht, dass Vertreterinnen und Vertreter der Pflege im Vorfeld angehört worden wären“, sagt Klarmann.

Schon jetzt bedeuteten Acht-Stunden-Schichten in voller Schutzausrüstung eine extreme Belastung für Beschäftigte in der Pflege. „Eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit sei unter keinen Umständen zu akzeptieren und werde die Kolleginnen und Kollegen aus dem Beruf treiben“, prophezeit Klarmann. Die Pflegekammer fordere das Land Niedersachsen daher eindringlich auf, die Allgemeinverfügung umgehend zu widerrufen, um nicht jegliche Glaubwürdigkeit gegenüber den in der Pflege Beschäftigten in Niedersachsen zu verspielen.

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