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Das blaue Wunder

Rittersporn (Delphinium) – selbst der Himmel kriegt’s nicht schöner hin

veröffentlicht am 13.07.2020 um 10:09 Uhr

 Aus weißem Auge blickend, hellblau im Flor stehend: Dieser Rittersporn hat eine zauberhafte Ausstrahlung. Aber auch viele weitere Sorten mit sehr unterschiedlichen Changierungen wissen ihre Betrachter um den Verstand zu bringen. 

Gehölze gelten als Grundgerüst des Gartens. Stauden aber sind die Kür! Im Wesentlichen handelt es sich um frostharte Pflanzen, die nicht verholzen, deren Pflanzenteile oberirdisch vor jedem Winter absterben, deren Wurzelstock aber überlebt und im Frühling neu austreibt. Umso wichtiger, sie regelmäßig auf dieser Seite näher zu betrachten und jene vorzustellen, auf die kein Gärtner bei der Gestaltung von Beeten und Flächen verzichten sollte. Heute: Rittersporn (Delphinium)

Im Juli vom Rittersporn zu schwärmen, verlangt nach Fantasie, nach Rück- und Ausblick zugleich. Womöglich vermag der Sommermonat ein wichtiges Korrektiv zu sein, deshalb, da Delphinium längst verblüht ist, sich aber nach dem Komplettrückschnitt handbreit über dem Boden vor einigen Tagen entschlossen hat, ein zweites Mal durchzutreiben – und gerade deshalb noch viel mehr begehrt wird. Zartes Grün entwickelt sich, ein Grün, dass den „Blauen Schatz der Gärten“, den Deutschlands großartiger Staudengärtner Karl Foerster in seinen Aufzeichnungen und in einem Buch hat hochleben lassen, zutage fördern wird.

Es ist nicht einfach nur eine Farbe, sondern es ist das Maß aller Dinge im bunten Farbenband.

Stauden Junge - Gartenpflanzen

Blau ist in Bezug auf Delphinium nicht einfach nur eine Farbe, es ist vielmehr das Maß aller Dinge – und keines ist intensiver als das des Rittersporns! Da kann ja selbst der Himmel nicht mithalten ob solcher Wundergebaren, die sich in Sorten wie ’Morgentau‘, ’Polarnacht’, ’Berghimmel‘ oder ’Frühschein‘ widerspiegeln. „Die Welt wird blauer mit jedem Tag“, hat uns Karl Foerster im Zentrum des vorigen Jahrhunderts wissen lassen, als sein Buch „Blauer Schatz der Gärten“ 1941 zum ersten Mal und 1953 in zweiter Auflage erschien. Blau sei keine bloße Farbe, es sei vielmehr „die Stelle des Farbenreichs, wo das ganze bunte Farbenband gesprengt wird“.

Dieser Zauber hat Foerster nie losgelassen. Die Zahl derer Sorten, die er kreierte, ist nicht bekannt, aber obwohl alles vergänglich zu sein scheint in dieser Welt, alles außer der Liebe, so halten sich manche Foerster’schen Züchtungen erstaunlich lange in den Sortimenten der Staudengärtnereien. ’Ouvertüre‘, ’Blauwal’ und eben auch ’Morgentau‘, diese edel anmutende Pflanze mit hellblauem Flor, der einen Funken rosa trägt und aus dunklen Augen zu uns blickt, sind starke, standfeste Stauden, hoch aufragend bis über zwei Meter! Aber nicht nur in diesen großwüchsigen Elatum-Sorten wirkt Foersters Arbeit bis heute nach; auch die niedrigeren Belladonna-Züchtungen wissen zu gefallen. ’Sternenhimmel‘ in dunklem Blau mit weißem Auge oder ’Ballkleid‘, heller koloriert, um nur zwei zu nennen, werden nicht höher als 120 Zentimeter und wachsen aufgrund ihrer Strahlkraft gewissermaßen doch über sich hinaus.
       

Auch nach dem Tod Karl Foersters im Jahr 1970 lässt der Rittersporn die Züchter nicht zur Ruhe kommen; es ist, als wenn er eine ganze Gartenwelt verzaubert. Im Grunde ist es genau das: Der Zauber, die Magie, die diese Staude aufgrund ihres stolzen, aufrechten Wuchses in mindestens der gleichen Kraft versprüht wie schönste Rosen ihre Düfte. Dabei darf im Übrigen nicht das königliche Blau dieses Ritters der Flora darüber hinwegtäuschen, dass es auch andersfarbige Delphinium-Hybriden gibt, von denen die reinweißen wie ’Galahad’ die strahlendsten sind. Allein: Diese in den USA kreierten Pacific-Giant-Hybriden bestechen nicht durch Langlebigkeit. Zwei, drei Jahre, dann ist es oft um sie geschehen, auch an guten Standorten. In dieser Hinsicht sind die uns bekannten Elatum-Hybriden verlässlicher.

Die Garten-Rittersporne, aus einer Gattung mit über 300 weltweit vertretenen Arten vornehmlich auf der nördlichen Hemisphäre beheimatet, sind keine wilde Mischung mehr, nein, jene erquicklichen Staudengewächse stehen als wahr gewordene Träume von Züchtern als Hybride im Sonnen- und damit Rampenlicht. Viele Staudengärtner sind in die großen Fußstapfen Foersters getreten, haben Kreuzungen vollbracht und Hybriden entwickelt, aus denen Sorten entstanden sind, vor deren grazilem Wuchs und ihrer Leuchtkraft man sich verneigen möchte. Dichte Trauben oft halb- oder ganz gefüllter Blüten, meistens blau, aber auch violett und weiß. Dazu aus schwarzen, braunen oder weißen Augen blickend – die Strahlkraft mancher Sorten ist feudal.

Rittersporne mögen eiskalte Winter und im Sommer einen schönen Platz an der Sonne  

Und hart im Nehmen sind sie. Ritterspornen gefällt es, wenn die Winter kalt sind. Die Elatum-Gruppe, aus der fast alle Hochwachsenden mit Höhen bis 220 Zentimeter hervorgehen, schwingt sich dann erst richtig zu neuen Horizonten auf. Die Blüten stehen dicht gedrängt an unverzweigten Stängeln. Ein Sonnenplatz gefällt ihnen am besten, aber auch mit lichtem Halbschatten kommen sie gut zurecht und blühen dort dann zwei, drei Wochen später als ihre Brüder in der Sonne. Von Saskia Gamander und Jens F. Meyer
      


Exposé: Rittersporn (Delphinium)

Rittersporn (bot.: Delphinium) ist eine edle Blütenstaude aus der Gattung der Hahnenfußgewächse. Neben den ausdauernden Garten-Ritterspornen gibt es einjährige Arten, deren Wirkung jedoch weniger großartig ist im Vergleich zu den Hybriden aus den Elatum-, Belladonna- und Pacific-Giant-Gruppen. Sie unterscheiden sich vor allem in der Wuchshöhe. Die „Riesen“ sind die Elatum-Rittersporne, die „Zwerge“ (obwohl auch mindestens 60 Zentimeter hoch) sind die „Belladonna“-Sorten. Wichtig für alle sind drei Dinge: Erstens im Frühling die Austriebe vor Schnecken schützen. Zweitens nach der Blüte im Sommer die Pflanzen über dem Boden zurückschneiden, um im Herbst eine zweite Blüte zu erhalten. Drittens nach dem Rückschnitt alle zwei Wochen mit Flüssigdünger versorgen. Sortentipps:

- Delphinium-Elatum-Hybriden: ’Berghimmel‘ (hellblau mit weißem Auge, bis 180 cm), ’Waldenburg‘ (tief dunkelblau, Auge schwarz, 150 cm), ’Schildknappe‘ (leuchtend blau, Auge weiß, 170 cm), ’Sommerwind‘ (hellblau, Auge weiß, 160 cm, sehr vitale, standfeste Sorte), ’Ariel‘ (hellblau, Auge weiß, 150 cm, alte Sorte), ’Finsteraarhorn‘ (tief violettblau, Auge schwarz, 160 cm, gut nachblühend), ’Lanzenträger‘ (violettblau, Auge weiß, 180 cm, sehr gesund und standfest), ’Blaustrahl‘ (leuchtend blau, Auge schwarz, 160 cm), ’Ouvertüre‘ (mittelblau bis rosa, braunes Auge, 160 cm).

- Delphinium-Belladonna-Gruppe: ’Moerheimii‘ (weiß, bis 120 cm, alte, gute Sorte), ’Atlantis‘ (tief nachtblau, 80 cm), ’Völkerfrieden‘ (ultramarinblau, schwarzes Auge, alte Sorte, standfest).

- Pacific-Giant-Züchtungen: ’Black Knight’ (dunkelviolett mit tiefschwarzem Auge), ’Galahad‘ (strahlend weiß gefüllte Blüten, 180 cm), ’Guinevere‘ (blasspurpurn mit einem Hauch Rosa, weißes Auge, 150 cm), ’Blue Bird‘ (reinblau, mit weißem Auge, 180 cm) sas

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